Der Jieper nach der Tafel (Rohkost-)Schokolade: Bedürfnis oder Wunsch?

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Heute möchte ich über die hilfreiche Unterscheidung zwischen einem Bedürfnis und einem Wunsch schreiben und zwar soll es dabei um das Thema Essen gehen – vordergründig zumindest.

Kennst du das? Du hast richtig dolle Hunger, isst etwas, worauf du Appetit hast und bist oft relativ schnell satt und zufrieden. Doch dann gibt es auch Situationen, in denen du gar keinen Hunger oder nur wenig Hunger verspürst. Und trotzdem fängst Du an, um den Kühlschrank zu tigern und dies und das zu essen. Und dann hier noch etwas und da noch etwas. Da ist es auch völlig egal, welcher Essensphilosophie du folgst – sei es einer konventionellen Mischkost, vegtarisch, vegan, rohköstlich – egal. Du könntest immer mehr essen. Im Bauch scheint ein Loch zu sein und es will sich einfach nicht füllen, obwohl das normale Maß längst überschritten ist und der Körper ein deutliches Sättigungsgefühl aussenden müsste, aber nix passiert. Keine Sättigung, keine Zufriedenheit, höchstens am Ende ein unangenehmes Völlegefühl.

Ich finde es in dem Fall sehr hilfreich, zu gucken, ob es sich bei meinen Gelüsten um ein Bedürfnis oder um einen Wunsch geht. Zum besseren Verständnis:

Bedürfnis:

Ein Bedürfnis ist etwas Essenzielles, das unbedingt gestillt werden muss, manchmal sogar, um das Überleben zu sichern. Hier ist die Bedürfnispyramide von A. Maslow, einem US-Psychologen, hilfreich. Da sind zunächst physiologische Bedürfnisse wie Schlaf, Essen, Trinken und Sexualität. Diese Bedürfnisse melden sich ein ganzes Leben lang und bleiben unverändert bestehen, auch wenn Variationen möglich sind, z.B. reduziert sich das Schlafbedürfnis eines Rohköstlers mit der Zeit oder auch Essensart oder Essensmengen können natürlich variieren. Auf alle Fälle taucht das Essen bei den Bedürfnissen auf, die natürlicherweise bestehen und unbedingt befriedigt werden müssen und dann auch wieder eine Zeit lang verschwinden, bevor sie sich erneut zeigen.

Etwas weniger existenziell, aber trotzdem sehr wichtig ist das Bedürfnis nach Sicherheit, d.h. nach Geborgenheit, Liebe und Schutz. Und auch soziale Bedürfnisse wie Zugehörigkeitsgefühl und Freundschaft wollen befriedigt werden. Darüber hinaus gibt es noch das Bedürfnis nach Anerkennung und Wertschätzung sowie die Selbstverwirklichung im Sinne von Ausschöpfung des eigenen Potenzials.

Wenn auch die Bedürfnispyramide teilweise kritisiert wird, werden m.E. ganz gut die einzelnen Bereiche der Bedürfnisse klar.

Wunsch:

Der Wunsch ist eher etwas, was man gerne hätte, was aber nicht wirklich überlebenswichtig ist. Das kann der Wunsch nach einem schönen Nachtisch sein, der Wunsch nach einem luxuriöserem  Haus, der Wunsch nach noch mehr Anerkennung von außen usw.

So, und nun stehe ich da vor dem Kühlschrank, habe eigentlich keinen Hunger, allerdings Appetit und irgendetwas treibt mich um, ich bin irgendwie nicht zufrieden. D.h., wenn ich in mich hineinspüre, habe ich im Moment eindeutig kein Bedürfnis nach Essen, denn sonst hätte ich deutlichen Hunger. Vielmehr ist es der Wunsch nach Essen. Im Prinzip ist das noch kein wirklich großes Problem. Dann esse ich halt ein Stück Käse, einen Schokoriegel oder einen Apfel, na und? Oft ist es aber so, dass der Mensch sich nicht so schnell zufrieden gibt. Da reicht ein Stück Käse, ein Schokoriegel oder ein Apfel einfach nicht aus!

Denn hinter jedem Essens-Wunsch steht in der Regel ein wahres Bedürfnis! In diesem Fall allerdings nicht das Bedürfnis nach Essen, denn sonst würde der Körper schon Hunger signalisieren, darauf kannst du dich verlassen. Und nach einer viertel Stunde muss man auch nicht schon wieder was essen, um zu überleben… Nein, es gibt ein anderes Bedürfnis, was meist auf einer versteckteren Ebene liegt und gestillt werden will. Das kann das wahre Bedürfnis nach Ruhe sein, das kann das Bedürfnis nach Nähe sein, das kann das Bedürfnis nach Anerkennung oder einer zufriedenstellenden Arbeit sein.  Das gilt insbesondere, wenn sich die Essensgelüste immer und immer wiederholen. Dann suchst du im Essen eindeutig nach der falschen Lösung. Dann gilt es Detektiv zu spielen und in sich hinein zu spüren, worum es im Moment eigentlich wirklich geht. Das funktioniert allerdings nur, wenn das wahre Bedürfnis nicht mit einer großen Menge Schokolade und Co. zugeschüttet wird. Denn für eine kurze Zeit lässt sich das wahre Bedürfnis tatsächlich von der Schokolade beeindrucken – es hält seinen Mund, allerdings nicht sehr lange… Und genau, wenn es seinen Mund wieder aufmacht, kommt deine Chance, um genauer hinzuhören.

Mir hilft diese Frage nach Bedürfnis oder Wunsch immer wieder. Meist reicht es schon, wenn ich sie mir bewusst stelle. In meinem tiefsten Inneren weiß ich dann eigentlich schon ganz gut, dass es eben nicht die Schokolade (egal, ob Rohkostschokolade oder nicht!) ist, die ich will. Und dann gilt es, dem wahren Bedürfnis auch wirklich nachzugehen. Und tatsächlich, oft ist das bodenlose Verlangen nach Essen dann verschwunden.

Diese Ess-Gelüste und die damit verbundenen negativen Gefühle wollen uns ja nicht das Leben schwer machen, sondern uns mal wieder einfach darauf hinweisen, dass ein anderer Lebensbereich aus dem Gleichgewicht geraten ist. Also begrüße deine Ess-Gelüste freudig, wenn sie sich mal wieder zeigen und sei gespannt, was sie dir zu sagen haben!

You are nature!

Liebe Grüße

Silke

PS: Das soll nicht bedeuten, dass du dir keine Wünsche mehr erfüllen sollst, sei es auf der Essensebene oder in einem anderen Bereich. Allerdings sollten sie in Maßen erfüllt werden, denn erfüllte Wünsche ziehen im Allgemeinen schon nach kurzer Zeit neue Wünsche nach sich. Am Ende ist man Geißel seiner Wünsche und wie gesagt, hinter den meisten Wünschen stehen letztlich auch nur verschüttete Bedürfnisse.

WIR FRESSEN UNS ZU TODE von Galina Schatalova – die Hygiene der Ernährung

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Im Urlaub habe ich ein für mich sehr spannendes Buch gelesen. Es handelt sich um das Buch „Wir fressen uns zu Tode“ von Galina Schatalova – eine russische Ärztin, die Chirurgin und Wissenschaftlerin war. Inzwischen ist sie 2011 mit 95 Jahren (angeblich durch einen Treppensturz) gestorben.

Das Buch ist bereits 1996 erschienen. Sie vertritt ein ziemlich umfassendes Gesundheitskonzept, bei dem neben der Nahrung, die möglichst ursprünglich und deutlich reduziert sein sollte, auch Bereiche wie die Atmung, Bewegung und Abhärtung berücksichtigt werden.

Doch noch vor diesen physischen Gesichtspunkten sieht sie die geistige und psychische Komponente, die bei der Gesundung eine wichtige Rolle spielt.

An dieser Stelle will ich gar nicht weiter auf den kompletten Inhalt eingehen, der wirklich lesenswert ist. Vielmehr möchte ich ein Kapitel mit Euch teilen, das für mich nochmal so einen besonderen Aha-Effekt hatte. Es ist das allerletzte Kapitel und die Überschrift lautet:

Die Hygiene der Ernährung. Weiterlesen

Achtsam essen

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Ich finde es immer wieder spannend, dass scheinbar gleiche Handlungen doch so unterschiedlich sein können und völlig andere Wirkungsweisen haben. Diese Tatsache finde ich besonders interessant im Zusammenhang mit unserem Essen. Ich kann nebenbei einen Apfel essen ohne daraus große Zufriedenheit oder Sättigung zu erhalten. Und dann kann ich einen Apfel mit voller Aufmerksamkeit essen und er nährt mich optimal auf körperlicher, geistiger, energetischer und emotionaler Ebene. Das Schlüsselwort heißt Weiterlesen

Heue könnte ich ALLES in mich reinstopfen!

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Kennst du das? Du hast so einen richtigen Jieper auf irgendetwas zu essen, vielleicht auf was Süßes, vielleicht auf was Herzhaftes, vielleicht weißt du auch gar nicht so richtig, worauf du  Appetit hast, du willst dich einfach nur füllen. Der Hunger ist längst gestillt, aber es muss trotzdem noch mehr sein. Früher oder später beginnt der Kampf mit dem schlechten Gewissen, eigentlich sollte man nicht, man will aber trotzdem und oft tut man auch trotzdem. Weiterlesen